La Réunion ist ein französisches Übersee-Département im Indischen Ozean zwischen Madagaskar und Mauritius. Wir hatten die Möglichkeit, einen Austausch mit zwei Mädchen von dieser Insel zu machen. Dabei wurden wir von Erasmus gefördert und von der Schule unterstütz. La Réunion ist eine sehr warme, tropische Vulkaninsel, die von vielen Kulturen geprägt wurde und sehr multikulturell bevölkert ist. Zwar wird auf La Réunion hauptsächlich Französisch als Amts- und Bildungssprache gesprochen, doch die Alltagssprache vieler ist Kreolisch. Kreolisch ist die Muttersprache vieler Réunionnais und wurde durch Einflüsse afrikanischer, madagassischer und indischer Sprachen geformt. Aufgrund der großen Unterschiede zu Hamburg konnten wir viel Neues lernen, eigene Erfahrungen sammeln und unser Französisch verbessern. Da wir in zwei unterschiedlichen Familien gewohnt haben, waren unsere Eindrücke und Erfahrungen unterschiedlich aber gleichermaßen besonders und einzigartig.

 

Lou-Eva und Anne

Meinen Austausch auf La Réunion durfte ich bei meiner Austauschpartnerin Lou-Eva, ihrem kleinen Bruder Yohann und ihren Eltern verbringen. Es war eine der besten Erfahrungen, die ich bisher machen durfte, denn dieser Austausch war für mich etwas ganz Besonderes. Ich habe vieles Neues erlebt, gesehen und gelernt, was mich mit viel Glück erfüllt hat.

 

Nach einem 13-stündigen Flug sind Josefine und ich auf der Insel angekommen und wurden gleich von unseren Austauschpartnerinnen und meinem Gastvater in Empfang genommen. Ich habe mich direkt wohlgefühlt, durch die Freude und Begeisterung von Lou-Eva, mich kennenzulernen. Die Insel war von Anfang an atemberaubend. Zwar war es für mich sehr heiß und die Luft sehr feucht, da ich dieses Klima nicht gewohnt war, doch die wunderschöne Aussicht auf das Meer die ganze Zeit und den schönen Blick in die Berge ließ mich staunen. Nach einer zweistündigen Fahrt lernte ich dann auch meine Gastmutter und meinen Gastbruder kennen, die ebenfalls sehr aufgeschlossen und interessiert waren. Es beglückte mich sehr, wie einfach und spannend es war, in einer neuen Familie aufgenommen und kennengelernt zu werden.

 

Jeden Morgen, auch samstags, fuhren Lou-Eva und ich bereits um 6:45 Uhr mit dem Bus 15 Minuten zur Schule, dem Lycée Polyvalent Gérard Ethève. Der Unterricht begann dort bereits um 7:30 Uhr. Gleich am ersten Tag und auch an den Folgenden wurde ich den Freunden von Lou-Eva und der Austauschpartnerin von Josefine vorgestellt. Sie waren alle sehr interessiert, überaus freundlich und aufgeschlossen. Das freute mich sehr und ich fühlte mich gleich aufgenommen, da sich alle sehr bemühten, mich so gut es geht in ihre Gespräche und den Unterricht mit einzubeziehen. Anders als im dem deutschen Schulsystem, ging die Schule auf La Réunion sehr lange. Oft von 7:30 Uhr bis 17 Uhr, doch es gab auch immer wieder Pausen und auch öfters Freistunden für Einzelarbeit. Was mir besonders gefiel war, dass die Pausen ausschließlich draußen stattfanden und die Schulhöfe sehr schülergerecht gestaltet waren.

 

La Réunion ist eine einzigartige Insel mit einer atemberaubenden Landschaft. Meine Gastfamilie war sehr daran interessiert, mir während des dreiwöchigen Austauschs die Insel so gut wiemöglich zu zeigen. Meine persönlichen Highlights waren die Besuche der Märkte in Saint-Leu und Saint-Paul, die Besichtigung des Vulkans, das Baden und Schnorcheln im warmen Meer, die Wanderungen in den Bergen und auch das Paragliding über der Küste. Auf La Réunion gibt es viele verschiedene Tiere, zum Glück aber keine gefährlichen. Bei Wanderungen in den Bergen habe ich oft Chamäleons und Echsen gesehen und im Meer viele verschiedene bunte, kleine Fische. Einmal waren wir auch in einer Schildkröten-Auffangstation. Ich hatte die Möglichkeit mit Lou-Eva viele der Spezialitäten wie beispielsweise Samoussas, Bouchons (ähnlich wie Dumplings), verschiedene Currys oder auch Americains (mit Pommes, Käse und Fleisch überbackene Baguettes) zu probieren. Es hat großen Spaß gemacht, neue Gerichte zu probieren und etwas über die lokale Küche zu lernen.

 

Die Begegnungen mit den Einwohnern von La Réunion waren immer sehr freundlich und herzlich. Oft wurde aus Interesse nach meinem Herkunftsland gefragt und alle Menschen haben sich sehr für eine Integration meinerseits bemüht, sowie ein freundschaftliches Miteinander gestaltet. Zu meiner Gastfamilie hatte ich am Ende des Austausches eine sehr enge Bindung. Ich konnte mich sehr gut in das Familienleben einleben und mich auch beteiligen. Es hat viel Spaß gemacht, sich abends beim Essen sich zu unterhalten oder auch mit Lou-Eva und ihrem Bruder Spiele zu spielen. Ich habe mich von Anfang an sehr wohl und entspannt in meiner Gastfamilie gefühlt.

 

Besonders begeistert hat mich, wie sehr ich meine Französischkenntnisse verbessern und festigen konnte. Es fühlte sich fast wie eine Selbstverständlichkeit an, mit der Familie und meinen neu gewonnenen Freunden Französisch zu sprechen. Dabei wurde meine Aussprache immer flüssiger und entspannter. Ich selbst bin auch in meiner Selbstständigkeit gewachsen, durch eine eigene Organisation und Anpassung in einem anderen Land. So offen und freundschaftlich, wie ich dort behandelt wurde, hat mich sehr gefreut und mir eine neue Perspektive eröffnet.

 

Ich bin sehr dankbar, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen. Es war ein unvergessliches und erlebnisreiches Abenteuer, was ich nur jedem empfehlen kann. Ich habe tolle Freunde auf La Réunion gefunden, eine neue Kultur kennengelernt, Abenteuer erlebt und eine fantastische Zeit gehabt. Ich freue mich schon sehr darauf, auch Lou-Eva meine Heimat zeigen zu können, und blicke überaus glücklich auf diese Zeit zurück.

 

 

 

Josefine und Morgane

Während meines Austausches habe ich bei der Familie meiner Austauschpartnerin Morgane gewohnt. Morgane ist eine super tolle Austauschpartnerin finde ich, wir haben uns auf Anhieb mega gut verstanden, viel gelacht und über die Zeit ist sie eine sehr enge Freundin für mich geworden. Auch ihre Familie ist mir über die Wochen echt ans Herz gewachsen und ich hoffe, dass ich sie bald wiedersehen werde. Schon gleich nach meiner und Annes Ankunft auf la Réunion wurde ich super lieb von ihr in Empfang genommen. Besonders meine Gasteltern haben sich in den 3 Wochen so große Mühe mit dem Kochen gemacht und ganz viele Aktivitäten im Vornherein geplant, sodass ich so viel wie möglich in der Zeit Neues auf der Insel sehen/kennenlernen konnte und dafür bin ich ihnen so dankbar. Ich konnte mich dank meiner Gastfamilie also schon nach ein paar Tagen gut in den Alltag vorort einfinden, obwohl er sich schon sehr von meinem Alltag hier unterscheidet.

 

Das habe ich zum einen am Klima gemerkt: Es waren, obwohl es Anfang Winter auf der Insel war, jeden Tag ca. 28 Grad, auch in der Nacht immernoch 24 Grad und es herrschte eine hohe Luftfeuchtigkeit, das war auf jeden Fall eine der größten Umgewöhnungen für mich. Die 2h Zeitumstellung habe ich neben der ganzen Aufregung garnicht so stark wahrgenommen, aber man musste sich auf jeden Fall auf früheres Aufstehen (5.30 Uhr) und einen längeren Schultag (7.30 bis meistens 16 uhr) einstellen. Auch durfte ich fünf 2Mal die Woche Morgane zum Tanzen begleiten. Da ich in Hamburg selber tanze, war das eine tolle Erfahrung und ich habe viel aus dem Unterricht mitnehmen können. Wie Anne habe ich auch sechs Mal die Woche das Lycée Polyvalent Gérard Éthève besucht. Dort habe ich auch super viele neue Freundschaften geschlossen, weil super viele Schüler*innen super offen und freundlich auf mich und Anne zugegangen sind.

 

Wie erwartet, war die Sprache auf jeden Fall und besonders am Anfang eine große Hürde. Man unterschätzt aber auch wie viel man in 3 Wochen sprachlich mitnehmen kann, sobald alles auf französisch ist und jeder nur noch französisch mit einem spricht. Und dort bin ich auch Morgane dankbar für, weil sie mir immer geholfen hat wenn ich etwas nicht verstanden habe und generell super geduldig war.

 

Neben vielen Menschen habe ich auch die wunderschöne Natur auf der Insel kennengelernt. Ich habe den Vulkan Piton de la Fournaise gesehen, die Strände an der Küste von Saint-Leu, wo Anne und ich auch im Meer gebadet haben, die Berglandschaften um die Dörfer Cilaos und Mafate und auch atemberaubende Wasserfälle und Seen. Besonders haben mich auch die Sterne beeindruckt. Man kann davon super viele auf La Réunion sehen, da die Luft besonders in den Höhen sehr klar ist. Auch waren dort viele Sternbilder des Südhimmels sichtbar, die man von Deutschland aus gar nicht oder nur sehr schwer beobachten kann.

 

Auch die Kultur auf La Réunion hat mich beeindruckt. Durch die Mischung verschiedener Einflüsse und die dadurch entstandene kreolische Kultur gibt es viele besondere Traditionen wie zum Beispiel das Maloya oder die Wochenmärkte, die ich und Morgane auch oft besucht haben. Auch gibt es traditionelle Gerichte, wie zum Beispiel Bouchons, Sarcives, Samoussas, Bonbons Piments. Alles davon kann man auch frisch auf den Märkten kaufen und es hat mir sehr gut geschmeckt.

 

Insgesamt war der Austausch eine unvergessliche und bereichernde Erfahrung, die ich jedem wirklich weiterempfehlen. In diesen drei Wochen ist so viel passiert, dass es sich viel länger angefühlt hat und ich habe super viel über eine andere Kultur gelernt, neue Menschen kennengelernt und viele Eindrücke gesammelt, die mir noch lange in Erinnerung bleiben werden.